Kommentar

Ablösung mit Ansage

Marc Stevermüer zur Situation an der Tabellenspitze

Es hat ein wenig gedauert, nach dem Geschmack des FC Bayern wahrscheinlich sogar deutlich zu lange. Nach 161 Tagen stehen die Münchner wieder dort, wo sie sich nach eigenem Selbstverständnis immer sehen: an der Tabellenspitze der Fußball-Bundesliga. Keine Frage: Die Leistung beim 6:0-Erfolg über Wolfsburg war beeindruckend, weshalb sich der Rekordmeister berechtigte Hoffnungen auf das Weiterkommen in der Champions League am Mittwoch gegen den FC Liverpool macht. Das hatte man vor wenigen Wochen noch genauso für unmöglich gehalten wie Platz eins in der Bundesliga, in der die Münchner zugegebenermaßen aber auch extrem von einer schwächelnden Dortmunder Borussia profitieren. Insofern war das, was da am Wochenende in der Tabelle passierte, nur noch eine Frage der Zeit und nichts anderes als eine Ablösung mit Ansage.

Denn die Favoritenrolle auf den Titel sind die Westfalen nicht erst seit dem Verlust des ersten Platzes los. Schon seit Wochen stimmt die Leistung nur selten. Es fehlen Spielfluss, Durchschlagskraft und vor allem defensive Stabilität, dazu kommt die Abhängigkeit von Marco Reus.

Gewiss: Es ist kein dramatischer Absturz, aber eben doch ein schleichender Prozess des Niedergangs, den die Dortmunder da gerade erleben. Auch der 3:1-Erfolg gegen den VfB Stuttgart war alles andere als souverän, die Leistungskurve verläuft im Gegensatz zu der des FC Bayern eben nicht nach oben, sondern entgegengesetzt – und dafür gibt es kaum einen schlechteren Zeitpunkt als das letzte Saisonviertel.

In diesem hat die Borussia zwar weiterhin alles in der eigenen Hand, weil sich die beiden Schwergewichte am 6. April noch direkt gegenüberstehen. Stand heute darf sich der BVB aber glücklich schätzen, wenn er in dieses Duell überhaupt noch als punktgleicher Herausforderer geht.