Kommentar

Absehbarer Verlust

Anke Philipp über das Aus des Traditionsvereins

Das Aus des Bürgervereins ist ein herber Verlust für die Neckarstadt. Was haben die Mitglieder in 30 Jahren bürgerschaftlicher Arbeit nicht alles bewegt. Vor allem politisch hatten sie stets ein Wörtchen mitzureden: Ob bei der Gestaltung des Alten Messplatzes oder beim Kampf um das Quartiermanagement – man mischte sich ein, gestaltete das Gemeinwesen mit, war Sprachrohr, das im Rathaus gehört wurde. Beim Neujahrsempfang legten die jeweiligen Vorsitzenden den Finger in die Wunde. Vergangenheit.

Dabei ist das Ende des Bürgervereins kein Einzelfall: Auch die Tanzgruppe Mannheim-Neckarstadt gab vor Jahren aufgrund mangelnden Interesses auf. Der Gewerbeverein existiert schon lange nicht mehr. Bürgerinitiativen kommen und gehen. Der Gemeinsinn ist im Vielfalt-Stadtteil abhandengekommen. Jeder hat andere Vorstellungen von der Zukunft. Oder gar keine. Zusammen geht nicht mehr viel, oft immer weniger. Bedauerlich. Eine Mehrheitsgesellschaft existiert nicht mehr, was die Integration erschwert. Das Aus des Bürgervereins ist auch ein Zeichen für den Wandel in der Einwanderungsgesellschaft – nicht unbedingt ein gutes.

Die Entscheidung des Vorstands, den Verein aufzulösen, ist bei aller Wehmut jedenfalls nachvollziehbar, sie war absehbar. Die Zeit, in der Menschen sich vor Ort auf diese, nachhaltige Art und Weise engagierten, ist wohl vorbei. Bitter ist dies für die Entwicklung im Problem-Stadtteil. Ausgerechnet jetzt, wo die Stadt beginnt, den öffentlichen Raum aufzuwerten, fehlt eine starke bürgerschaftliche Stimme.

 
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