Kommentar

AKKs Gretchenfrage

Hagen Strauß zur künftigen Rolle der CDU-Vorsitzenden: Ihre Macht ist eng mit dem Umgang von Union und AfD verknüpft

Annegret Kramp-Karrenbauer ist Luft verschafft worden durch das Wahlergebnis der CDU in Sachsen. Freilich ist es schon eigenartig, dass der Wahlkampf von Michael Kretschmer nun als neues Unions-Erfolgsrezept angesehen wird. Dass man ran an die Menschen und deren Probleme zügig lösen muss, sollte doch eine Selbstverständlichkeit sein. Ob in Ost oder West. Und AKK muss man da nicht viel beibringen – erinnert sei daran, wie sie Anfang 2017 als Ministerpräsidentin im saarländischen Landtagswahlkampf Boden gut gemacht und nebenbei den Schulz-Zug der SPD gestoppt hat.

Auch die Vorsitzende weiß, dass die CDU nicht auf jenes Viertel der Wähler verzichten kann, die im Osten ihr Kreuz bei der AfD gemacht haben. Eine Volkspartei muss immer den Anspruch haben, enttäuschte Bürger und verlorenen Zuspruch zurückzugewinnen. Sonst kann sie gleich einpacken. Am Ende ist die wichtigste Währung das Vertrauen.

Das hat sich Kretschmer mühsam bei vielen Menschen in Sachsen und auch in seiner Partei zurückerkämpft. AKK als Bundesvorsitzende der CDU hat da noch Arbeit vor sich. Denn das Vertrauen in sie ist in den vergangenen Monaten erheblich gesunken. Ihre Selbstkritik ist Beleg dafür, dass sie das genauso sieht. Der Umgang mit der AfD könnte in den nächsten Wochen für die CDU-Chefin zur Gretchenfrage werden. Weil sich damit verbindet, wie stark die Vorsitzende eigentlich noch in der eigenen Partei ist.

 
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