Kommentar

Alles andere als klar

Hans-Jürgen Emmerich lobt Entscheidung des Verbands

Täglich gelangen über Reinigungsmittel und menschliche Ausscheidungen pro Person rund zwei Gramm Phosphor in das Abwasser. In den Kläranlagen muss der Stoff herausgefiltert werden, um Schäden für die Umwelt zu vermeiden. Lange Zeit hat man den Klärschlamm als Düngemittel auf die Felder ausgebracht, doch das hält das Umweltministerium Baden-Württemberg nicht länger für vertretbar, weil zu viele Schadstoffe darin enthalten sind. Inzwischen wird deshalb ein Großteil des Schlamms verbrannt. Um ausreichend Nahrungsmittel produzieren zu können, braucht die Landwirtschaft aber Phosphor. Das soll die Rückgewinnung aus dem Klärschlamm holen. Wie das am besten funktioniert, ist derzeit völlig offen.

Die Abwasserverbände stecken damit in einem Dilemma: Sie müssen die vom Gesetzgeber gesetzte Frist einhalten, ohne zu wissen, wie sie das Ziel erreichen können. Sich blindlings einer neuen GmbH anzuschließen und sich damit auf 25 Jahre zu binden, wäre mit einem hohen Risiko verbunden. Sicherer scheint es da, sich alle Wege offen zu halten und in einem kleinen Verbund flexible Lösungen zu suchen. Auf diese Weise kann auch ein Klärschlammtourismus verhindert werden. So gesehen verdient die Mehrheitsentscheidung des Abwasserverbands Unterer Neckar Respekt.

Ob dessen Rechnung tatsächlich aufgeht, wird sich allerdings frühestens in einigen Jahren oder gar Jahrzehnten entscheiden. Eine klare Sache ist das nicht. Denn die Behandlung von Abwasser stellt eine Aufgabe für Generationen dar. Und die Zeche dafür müssen am Ende alle bezahlen. Denn den Schutz der Umwelt gibt es nun einmal nicht zum Nulltarif.