Kommentar

Alles andere als sinnvoll

Bertram Bähr zu den Folgen der Datenschutz-grundverordnung

So weit wie in Dormagen ist es in Mannheim wegen der neuen europaweiten Datenschutzverordnung noch nicht gekommen. In der Stadt am Rhein nahe Düsseldorf schwärzte eine Tagesstätte im August 2018 in Erinnerungsalben die Bilder fast aller Kinder mit Eddingstiften. Lediglich das Kind der jeweiligen Eltern war zu erkennen. Aber zumindest denken Schulleiter in Mannheim darüber nach, bei Festen nur noch Fotos vom eigenen Sprössling zu erlauben – oder Smartphones und Kameras gleich ganz zu verbannen. Sie können sich darin durch Empfehlungen des Kultusministeriums bestärkt fühlen.

Nun ist es zweifellos so, dass die Veröffentlichung privater Bilder in den sogenannten sozialen Netzwerken ungeahnte Ausmaße angenommen hat. Manche sind regelrecht süchtig danach, das Privateste nach außen zu kehren und weltweit zu teilen. Oft nehmen sie dabei auch auf die Rechte anderer Personen wenig Rücksicht. Sich dagegen zu wehren, ist allerdings in erster Linie Sache der Betroffenen selbst.

Schulen könnten überdies auf Elternabenden auf die Problematik hinweisen – und Alternativen aufzeigen. Beispielsweise gibt es auf Facebook, WhatsApp und Co. auch geschlossene Gruppen, auf denen Bilder geteilt werden können. Über das Thema Datenschutz zu reden und zu diskutieren – das ist auf jeden Fall sinnvoll. Aber ganz und gar nicht sinnvoll wäre es, das Fotografieren und Filmen bei Schulfesten und Veranstaltungen gänzlich zu untersagen. Ganz abgesehen davon, dass ein Fotografierverbot schwer zu kontrollieren und durchzusetzen wäre: Es würde – zu Recht – unter den Eltern Unmut hervorrufen. Wenn ihre Kinder mit zehn anderen etwas auf der Bühne aufführen, soll das für Oma, Opa und das Fotoalbum nicht mehr festgehalten werden dürfen? Das hieße, das Kind mit dem Bade auszuschütten.

 
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