Kommentar

Alles auf Anfang

Archivartikel

Alexander Jungert zur Krise bei Heidelberger Druckmaschinen

Schon vor Ausbruch des Coronavirus hatte es die Heidelberger Druckmaschinen AG nicht leicht. Mit den Folgen der Pandemie steigt der Druck nun noch mehr. Dem Management gelingt erst einmal der nächste Befreiungsschlag.

Alles auf Anfang, lautet die Devise. Vorstandschef Rainer Hundsdörfer vergleicht das aktuelle Maßnahmenpaket mit der „Reset“-Taste am Computer. Was keinen Gewinn bringt, muss weg. Ebenso sollen Führungsebenen gestrichen werden, die sich der geschrumpfte Konzern nicht mehr leisten kann. Endlich konzentriert sich das Unternehmen auf seine Ertragskraft. Es ist ein wichtiges Signal zum Aufbruch – leider erneut verbunden mit einem massiven Stellenabbau.

Mit einem eher ungewöhnlichen Schritt holt sich Heidelberger Druckmaschinen Geld aus dem eigenen, einst ausgelagerten Pensionsfonds zurück. Durch den fast vollständigen Abbau der Nettoschulden entstehen weitere Spielräume. Vermutlich ist das aber die letzte große Geldquelle gewesen, die das Unternehmen bei sich selbst anzapfen kann.

Das neue Geschäftsjahr 2020/2021, das bald startet, ist schon zum Übergangsjahr erklärt worden. Positive Effekte der Neuausrichtung werden erst später erwartet. Es ist riskant, dass das Übergangsjahr ausgerechnet mitten in die Corona-Krise fällt – die bei Heidelberger Druckmaschinen schon jetzt zu spüren ist. Dabei sind die endgültigen Folgen noch gar nicht abzusehen.