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Claudio Palmieri zum Rücktritt von Real-Trainer Zidane

 

Als Zinédine Zidane im Januar 2016 vom Assistenten des entlassenen Carlo Ancelotti zum Cheftrainer von Real Madrid aufstieg, waren die Zweifel groß – und angebracht. Würde der frühere Weltklassespieler auch das Zeug zum Weltklassetrainer haben? Würde Zidane auf Anhieb eine Weltklassetruppe wie die der „Königlichen“ bändigen können, wo nur der maximale Erfolg zählt? Oder würde „Zizou“ als Abklatsch von Guardiola, der bei Erzrivale FC Barcelona als Nobody durchstartete, in Madrids bewegte Trainerhistorie eingehen?

Keine zweieinhalb Jahre später muten all diese Überlegungen wie eine Majestätsbeleidigung an. Drei Champions-League-Triumphe in Serie, eine spanische Meisterschaft, zwei Club-WM-Titel, dazu zwei Uefa-Supercup-Siege und ein nationaler Supercup-Triumph: Das ist schon sehr nah dran am Optimum. Zumal sich der Mann, der seine Spielerkarriere mit dem Kopfstoß gegen Materazzi im WM-Finale 2006 tragisch beendete, an der Seitenlinie als Sportsmann präsentierte. Dazu brach Zidane gerne mit den heute gängigen Taktikmustern. Individualisten wie Cristiano Ronaldo den Raum zur Entfaltung zu lassen, war ein Schlüssel zum Erfolg. Am Real-Kader nahm „Zizou“ in seiner Amtszeit kaum Änderungen vor. Auch das ist ein Qualitätsmerkmal.

Zidane verlässt Real auf dem Zenit seines Schaffens. Den altersbedingten Umbruch – auch Ronaldo deutete seinen Abschied an – überlässt er anderen. Sein Rücktritt ist deshalb gar nicht so überraschend. Verdenken kann ihm das indes keiner. Sportlich hat dieser Mann alles erreicht.

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