Kommentar

Als Vermittler unverzichtbar

Archivartikel

Lisa Wazulin über die Wirkung des Nachtbürgermeisters

Groß waren die Erwartungen an den neuen Nachtbürgermeister, als Hendrik Meier sein Amt vor einem Jahr angetreten hat. Die Hoffnung: Lärm, Müll und Streitigkeiten sollten im Stadtteil Jungbusch endlich der Vergangenheit angehören. Schon damals waren viele skeptisch, fragten sich: Was kann jemand in dieser Position schon bewegen? Heute, ein Jahr später, ist die Liste der sichtbaren Erfolge eher kurz, die Arbeit des Nachtbürgermeisters schwer zu greifen.

Das liegt auch daran, dass seine Rolle meistens nicht die des aktiven Eingreifers ist. Vielmehr setzt er auf Gespräche und leistet Überzeugungsarbeit. Dabei muss er nicht nur die Gegenspieler von sich, sondern auch von der Zusammenarbeit untereinander überzeugen. Ihre Anliegen könnten aber unterschiedlicher nicht sein: Während die Anwohner einfach nur ihre Nachtruhe durchsetzen wollen, sind die Barbesitzer vom Nachtleben abhängig. Gerade bei den Verhandlungen zur Jungbusch-Vereinbarung, die das Miteinander im Stadtteil regeln soll, hat sich gezeigt, wie nötig es ist, einen Vermittler fürs Nachtleben zu haben. Einer, dem die Barbesitzer vertrauen und der die Sorgen und Ängste der Bewohner kennt – und die Wünsche direkt an die Stadt weitertragen kann.

Was passiert, wenn es keinen Nachtbürgermeister gibt, der vermittelt, zeigt der Blick nach Heidelberg: So festgefahren waren dort die Fronten zwischen Gastronomen und Anwohnern, das am Ende ein Richter den Streit schlichten musste – und nun eine Sperrstunde verhängt hat. Der Fall zeigt deutlich: Solche Probleme lassen sich nicht in einem Jahr, und schon gar nicht über Nacht lösen.