Kommentar

Alternativen verbessern

Archivartikel

Obwohl das befürchtete große Verkehrschaos erst einmal ausgeblieben ist, besteht überhaupt kein Grund zur Entwarnung. Die Staugefahr könnte sich verschärfen, wenn in Baden-Württemberg die Sommerferien beendet sind. Zudem hat sich schon oft gezeigt, dass jeder kleine Unfall auf den wenigen Ausweichstrecken enorme Rückstaus verursachen kann.

Die Rheinbrücken und Ludwigshafener Hochstraßen sind die Verkehrsadern für die ganze Rhein-Neckar-Region, für Pendler und Unternehmen. Deshalb ist die Sperrung in Ludwigshafen eine Hiobsbotschaft – zugleich muss sie die Verantwortlichen wachrütteln. Auch wenn die Hochstraße Süd bald wieder offen sein sollte, bleibt sie so marode, dass weitere Sperrungen jederzeit folgen können.

Das Schlimme: Für die Sanierung hat die hoch verschuldete Chemiestadt weder das Geld noch ein Konzept. Einen Vorschlag mit einem massiven Galeriebauwerk unter der Hochstraße haben in Ludwigshafen alle Fraktionen aus nachvollziehbaren Gründen abgelehnt – nur, was kommt jetzt? Hier rätseln noch die Fachleute. Denn die pilzförmigen Pfeiler sind in statischer Hinsicht eine Herausforderung.

Mit Blick auf die Hochstraße Nord, die verkehrstechnisch mit der Südtangente als Einheit zu betrachten ist, rächt sich, dass die Zuschussgeber Bund und Land Rheinland-Pfalz jahrelang gepokert haben. Sie hielten sich mit Zuschusszusagen lange zurück. Folge: Die Baukosten explodierten. Alle Politiker in der Region sollten nun Druck machen, dass mehr Bewegung in die Sanierungen kommt und Finanzierungen geklärt werden. Zudem müssen Alternativen verbessert werden, etwa der öffentliche Nahverkehr. Vorschläge wie Seilbahn- oder Fährverbindungen sollten genauer geprüft werden. Mehr Heimarbeit könnte ebenfalls helfen. Eine dritte Rheinquerung für den Verkehr wäre zwar wünschenswert. Die Hoffnung wird sich aber in absehbarer Zeit nicht erfüllen, da das Projekt bei Altrip ganz aus dem Bundesverkehrswegeplan gestrichen wurde.

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