Kommentar

Alternativlos

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Hagen Strauß geht davon aus, dass Angela Merkel CDU-Chefin bleibt – obwohl sie Schwächen offenbart

So schnell kriegt man Angela Merkel nicht klein. Die Kanzlerin will wieder als CDU-Chefin beim Parteitag Anfang Dezember kandidieren. Das hat sie jetzt unmissverständlich klargemacht. Auf einen Zusatz hat Merkel freilich verzichtet, und der müsste lauten: wenn man mich lässt.

Merkel hat sich von ihrer Fraktion entfremdet, von den Abgeordneten, die ihre Regierungspolitik im Bundestag tragen und vertreten müssen. Wie groß die Kluft inzwischen ist, hat sie übersehen oder ignoriert. Auch deswegen die Abstrafung ihres Vertrauten Volker Kauder.

Zugleich scheint Merkel das Gespür abhandengekommen zu sein, was die Menschen im Land tatsächlich bewegt. Bei allen Verdiensten, die sich die Kanzlerin in ihrer Amtszeit erworben hat und für die man sie loben muss – die Fehleinschätzungen haben sich in letzter Zeit stark gehäuft.

Bei der Causa Maaßen lag sie stark daneben und mit ihrer Flüchtlingspolitik überzeugt sie immer weniger. Das scheint aber noch nicht auszureichen, damit die Union Merkel den Stuhl vor die Tür setzt. Von einer mutigen Revolte gegen die Langzeit-Regierungschefin und Vorsitzende ist die CDU noch weit entfernt.

Zumal die Partei auch weiß. Zum jetzigen Zeitpunkt hat sie niemanden, der es besser machen könnte und sich als Alternative regelrecht aufdrängt. Oder soll künftig Jens Spahn Wladimir Putin und Donald Trump Paroli bieten?

Insofern ist es wahrscheinlich, dass Merkel beim Parteitag in Hamburg noch einmal zur Vorsitzenden gewählt wird. Auch wenn das viele mit geballter Faust in der Tasche tun werden. Allerdings muss die Kanzlerin dafür auf dem Konvent etwas anbieten. Sie muss endlich für Klarheit sorgen, wie sie sich den Übergang konkret vorstellt. Und mit wem.

Oder erwägt sie vielleicht sogar, nach der Legislaturperiode noch einmal vier Jahren zu machen? Das mag man sich beim besten Willen nicht vorstellen.