Kommentar

Altersvorsorge überflüssig

Rolf Obertreis zur Vergütung der Dax-Vorstände

Friedrich Merz plädiert für eine Pflicht zur privaten Altersvorsorge. Mit Aktien und anderen Kapitalanlagen sollen Arbeitnehmer Rücklagen für ihren Ruhestand bilden. Schließlich wird die staatliche Rente in Zukunft kaum ausreichen. Ob der CDU-Politiker dabei auch an deutsche Top-Manager gedacht hat? Vorstände deutscher Dax-Konzerne zahlen keinen Cent für ihre Altersvorsorge. Sie werden üppig versorgt, zum Teil mit Zusagen von mehr als einer Million Euro pro Jahr.

Bei Ex-Daimler-Chef Jürgen Zetsche waren es 2018 wieder 2,9 Millionen Euro. So viel verdient ein normaler Arbeitnehmer auch bei Daimler im gesamten Berufsleben nicht, so sehr er sich auch anstrengt. Dabei sind Vorstände deutscher Dax-Konzerne die letzten, die es sich angesichts von Millionengehältern nicht leisten könnten, selbst Monat für Monat genügend für das Alter zur Seite zu legen. Ohnehin verdienen sie im Schnitt jedes Jahr 52 Mal so viel wie die Angestellten der Unternehmen, die sie führen. Bei VW ist es gar das 97fache.

Man muss sich angesichts solcher Zahlen nicht wundern, dass die Kluft in der Gesellschaft immer weiter auseinandergeht und der Unmut über „die da oben“ wächst. Dass ein Vorstand zumindest eingeräumt hat, dass er selbst privat für das Alter vorsorgen könnte und damit das Unternehmen, die Aktionäre und indirekt auch die Beschäftigten entlastet, war bislang nicht zu vernehmen. Es wäre höchste Zeit.

Das sollte CDU-Politiker Merz auch mal zur Sprache bringen, statt nur normale Beschäftigte in die Pflicht nehmen zu wollen.

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