Kommentar

Am eigenen Ast

Archivartikel

Hagen Strauß appelliert an die Union, die Distanz zur AfD zu wahren

Der neuerdings von manchem in der Union propagierte Schmusekurs gegenüber der AfD ist gefährlich. Denn die Partei driftet offenkundig immer weiter nach rechts. Und wenn nun ausgerechnet die CDU die letzte Distanz zu Rechtsaußen nicht mehr wahrt, sägt sie am Ast, auf dem sie sitzt. Dann verschwimmen die Grenzen weiter. Das wiederum wird die AfD nur stärken. Alexander Gauland weiß das. Deswegen nimmt der AfD-Fraktionschef im Bundestag jetzt den Ball liebend gern auf und sieht die CDU als denkbaren Koalitionspartner.

Der Union muss klar sein: Es kann ernsthaft keine sinnvolle und erfolgreiche Reaktion sein, diejenigen zu hofieren, die man politisch bekämpfen muss. Bemerkenswert ist, dass die verbale Annäherung an die AfD ausgerechnet aus Sachsen kommt. Dort schließt CDU-Fraktionschef Christian Hartmann eine Zusammenarbeit mit der AfD nicht mehr aus. Laut Umfragen stehen die Christdemokraten im Freistaat erheblich unter Druck. Es ist gut möglich, dass die AfD die regierende CDU bei der Landtagswahl 2019 überholt. So dumm sind die Wähler dann aber auch nicht. Sie wissen, dass die Anbiederung nur dem eigenen Machterhalt geschuldet ist. Also werden sie ihr Kreuzchen lieber beim Original machen. Das heißt AfD.

Dass führende Unionspolitiker einer wie auch immer gearteten Zusammenarbeit mit der AfD nun eine klare Absage erteilt haben, ist richtig und dringend notwendig. Daran muss man sie auch wieder erinnern, falls die Nervosität angesichts sinkender Umfragen im Bund womöglich größer wird. Mit dieser Perspektive spielt auch Gauland. Wohlwissend, dass in seiner Partei viele von Regierungsverantwortung nichts halten, sondern sich als Fundamentalopposition verstehen. Ein Selbstläufer wäre also eine Koalition mit der Union auch vonseiten der AfD nicht.