Kommentar

Am Scheideweg

Alexander Müller zur Diskussionen über das Ende von 50+1

 

Es gärt in der Fußball-Bundesliga, in die Debatte über die künftige Ausrichtung der deutschen Eliteklasse ist Bewegung gekommen. Die Argumentation der 50+1-Gegner klingt für viele Clubs verlockend: Mit einer Öffnung für Investoren könnten demnach andere Vereine den Abstand zum unter den althergebrachten Bedingungen nicht mehr einholbaren Dauer-Meister FC Bayern verkürzen, die Bundesliga sogar wieder auf Augenhöhe mit der britischen Gelddruckmaschine Premier League kommen. Doch vor einem solchen radikalen Schritt muss man nachdrücklich warnen: Es wäre das Ende des auf Fannähe und Bodenständigkeit setzenden deutschen Fußballmodells, mit dem die Liga in den vergangenen 20 Jahren sehr gut gefahren ist. Woher kommt noch einmal der aktuelle Weltmeister?

Die Bundesliga steht am Scheideweg. Die neureichen Clubs von der britischen Insel sowie die beiden spanischen Topvereine Real und Barcelona ziehen die Top-Stars geradezu magnetisch an, der Ausverkauf ist in vollem Gang. Wenn im Sommer auch noch Ausnahmespieler Naby Keita Leipzig in Richtung Liverpool verlassen wird, findet man die richtig großen Attraktionen in Deutschland praktisch nur noch beim FC Bayern. Und selbst beim Rekordmeister ist es nicht ausgeschlossen, dass ein weiterer Misserfolg in der Champions League eine gewisse Sogwirkung bei Lewandowski & Co. entfachen könnte – weg von München.

Statt mit einer weiteren fanunfreundlichen Aufblähung der Anstoßzeiten oder pflichtschuldigen Auswärtstouren durch Asien und Amerika aber verzweifelt zu versuchen, den wirtschaftlichen Abstand zum britischen Turbokommerz aufzuholen, wäre die Liga gut beraten, weiter auf ihre ureigenen Stärken zu setzen. Die Fans verzeihen es, wenn die ganz großen Stars woanders kicken. Sie verzeihen es nicht, wenn Spiele montagsabends angepfiffen werden.

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