Kommentar

Amerikanisches Desaster

Archivartikel

Tobias Käufer wirft den USA schwere Fehler beim Umgang mit der Venezuela-Krise vor

Kaum haben der junge Parlamentspräsident Juan Guaidó und der vor wenigen Tagen aus dem Hausarrest befreite Oppositionspolitiker Leopoldo Lopez neue Maßnahmen verkündet, kommt aus Washington das verbale Begleitkommando: Mal ist es US-Außenminister Mike Pompeo, mal Sicherheitsberater John Bolton, mal Präsident Donald Trump. Die Art und Weise, wie sich die Amerikaner zu Wort melden, ist dabei alles andere als hilfreich. Vermittelt es doch den Eindruck, als ob Washington in der venezolanischen Opposition den Ton angebe.

Das erschwert es jenen Kräften innerhalb der venezolanischen Armee, die Seiten zu wechseln, die dies angesichts der schweren Menschenrechtsverletzungen und der Versorgungskrise erwägen. Wenn ausgerechnet der ideologische Todfeind zur Aufgabe aufruft, werden die Hemmungen, diesen Schritt wirklich zu tun, deutlich größer, als wenn der Ruf ausschließlich aus dem eigenen Volk kommt. Auch die Personalauswahl ist unglücklich: Mit Elliot Abrams hat die Trump-Administration einen US-Sonderbeauftragten für die „Wiederherstellung der Demokratie in Venezuela“ ernannt, dem eine nicht unerhebliche Rolle in der unsäglichen Iran-Contra-Affäre zugeschrieben wird.

Der schwerste Fehler der Amerikaner ist aber das öffentliche Drohen mit einer Militärintervention. Dieses Szenario gibt dem Regime des sozialistischen Präsidenten Nicolás Maduro die Gelegenheit, sich als mögliches Opfer zu inszenieren. Dass die Amerikaner tatsächlich in Venezuela einmarschieren, gilt als unwahrscheinlich. Sich auf ein solches Abenteuer einzulassen, wäre nicht nur militärisch ein unverantwortlicher Drahtseilakt. In Lateinamerika ist zwar die Ablehnung gegen das Maduro-Regime mehrheitsfähig, noch größer ist allerdings die Ablehnung eines Kriegs.

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