Kommentar

An der Börse ohne Beispiel

Archivartikel

Rolf Obertreis zu den Turbulenzen bei Wirecard

Die Wirecard-Aktie kostete am Mittwoch 104,50 Euro. Einen Tag später waren es nur noch gut 40 Euro. Ein Minus von 62 Prozent, etwa acht Milliarden Euro Börsenwert haben sich in Luft aufgelöst – beispiellos für einen Dax-Konzern. Selbst erfahrene Börsianer sind schockiert. Hat Vorstandschef Braun Anleger, Banken, Wirtschaftsprüfer und Aufsichtsbehörden jahrelang an der Nase herumgeführt? Die Vermutung drängt sich auf. Sehr stark.

Längst geht es um einen Kriminalfall. Wirecard behauptet, man sei Opfer eines „gigantischen Betrugs“. Wirklich? Sind die Manager womöglich selbst Täter? Es stellen sich noch andere Fragen: Was haben hoch bezahlte Wirtschaftsprüfer über Jahre getrieben? Fragen muss sich auch die Finanzaufsicht BaFin gefallen lassen. Angeblich hatte sie Wirecard immer im Blick. Wirklich? Auch für die Börse ist der Skandal mehr als unangenehm. Sie prüft Sanktionen, weil Wirecard immer noch keine Bilanz vorgelegt hat. Eigentlich hat das Unternehmen im Dax nichts mehr zu suchen. Aber so einfach ist ein Rauswurf nicht. Regulär ist das erst wieder Anfang September möglich. Es sei denn, es passieren noch mehr irreguläre Dinge bei und rund um Wirecard. Ausgeschlossen ist das längst nicht mehr.