Kommentar

An einem Strang ziehen

Archivartikel

Wolfgang Mulke zum anstehenden Autogipfel in Berlin

Vor wenigen Jahren hätte noch niemand ernsthaft das Ende herkömmlicher Verbrennungsmotoren in absehbarer Zukunft vorhergesagt. Zu groß war das Beharrungsvermögen der Autoindustrie, zu groß waren auch die Vorbehalte gegenüber der E-Mobilität. Das Blatt hat sich rasant gewendet. So geht es beim Gipfeltreffen der Kanzlerin mit den wichtigsten Automanagern an diesem Montagabend nicht mehr darum, ob die Hersteller sich auf ein Ende von Benzin- und Dieselmotoren einstellen müssen. Es geht nur noch darum, wie der Übergang in das Zeitalter einer CO2-freien Mobilität gestaltet und die wichtigste Wirtschaftsbranche des Landes erhalten werden kann.

Einfach ist diese Herausforderung nicht zu stemmen. Gegensätzliches muss zum gemeinsamen Interesse werden. Bestes Beispiel dafür ist der Verkehr in den Ballungsgebieten. Aus vielerlei Gründen muss die Zahl der Autos beispielsweise sinken. Eine Antwort darauf sind neue Geschäftsmodelle der Unternehmen, bei denen Dienstleistungen rund um das Auto selbst den Ertrag bringen.

Die wichtigste Frage ist die nach der schnellen Einführung von E-Mobilen in großen Stückzahlen oder die Weiterentwicklung anderer Antriebe. Wasserstoff oder synthetische Kraftstoffe sind denkbare Alternativen. Es ist leicht gesagt, die Industrie solle jetzt sehen, wie sie ihren Rückstand aufholt. Das wird sie womöglich aus eigener Kraft nicht mehr schaffen. Helfen wird nur die Flucht nach vorn in Form einer Rückbesinnung auf traditionelle Tugenden: Ärmel hochkrempeln und besser werden. Der Staat ist dort gefragt, wo es der Markt vorerst nicht richten wird. Beim Bau von Ladesäulen, bei der Grundlagenforschung und den Preisen für eine mehr oder weniger umweltgerechte Mobilität. Für Produkte, die bei den Kunden ankommen, ist die Industrie zuständig.

 
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