Kommentar

Andere Prioritäten

Bettina Eschbacher zu den Plänen der IG BCE

Die Zahlen der IG Metall belegen es: Für Arbeitnehmer wird Freizeit immer wertvoller, dafür verzichten viele sogar auf mehr Geld. Eine große Zahl von Metall-Beschäftigten nutzt in diesem Jahr die Möglichkeit, das tarifliche Zusatzgeld in freie Tage umzuwandeln. Das geht natürlich nur bei den Privilegierten, die schon ein gewisses Gehaltsniveau erreicht haben. Viele Geringverdiener haben diese Wahl gar nicht, sondern sind froh um jeden Euro mehr.

Bei gut verdienenden Facharbeitern und Angestellten aber haben sich die Prioritäten verschoben. Mehr (Frei-)Zeit ist – in Zeiten ständiger Verfügbarkeit und rasant steigenden Anforderungen – ein kostbares Gut. Ebenso wie die Möglichkeit, möglichst flexibel über die eigene Arbeitszeit bestimmen zu können. Das Zukunftskonto der IG BCE ist keine Luxusforderung, sondern entspricht der Stimmung in den Belegschaften.

Die Metallbranche hat es vorgemacht, die Chemie-Arbeitgeber werden sich dem Zukunftskonto nicht verschließen können. Wer attraktiv für die schon raren Fachkräfte bleiben will, muss solche Zusatzangebote machen – trotz sinkender Umsätze. Es gibt ja noch Verhandlungsspielraum, etwa bei der Höhe des Betrags oder bei anderen Tarif-Posten. So könnte das Entgeltplus im Gegenzug etwas geringer ausfallen.

 
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