Kommentar

Anfassen verboten!

Archivartikel

Der Vorfall von Dienstag schreckt auf – und hinterlässt wohl bei einigen Frauen ein mulmiges Gefühl. Dass solche sexuellen Belästigungen durch junge Männer eher selten vorkommen, wie die Polizei versichert, ist nur ein geringer Trost für diejenigen, die nachts in Straßenbahnen unterwegs sind. Dass die Hälfte der sogenannten Grapscher dabei keinen deutschen Pass hat, spielt für Betroffene keine Rolle.

Ohnehin ist es nicht richtig, junge Männer aus dem Ausland für den Anstieg der Übergriffe allein verantwortlich zu machen, wie die Arbeit der Rechtsprofessorin Tatjana Hörnle von der Humboldt-Universität in Berlin beweist: Sie hat die vergangenen Kriminalstatistiken analysiert. Ihr Fazit: Sexualdelikte durch Zuwanderer sind kein Massenphänomen, die Zahl der Taten bietet keinen Grund zur Dramatisierung. Vielmehr braucht es mehr Aufklärungsarbeit, um solche Täter zu sensibilisieren, Grenzen aufzuzeigen und klar zu machen: Wer grapscht, macht sich strafbar. Landesweite Programme dazu gibt es schon, in Schwimmbädern klären Tafeln in verschiedenen Sprachen über das richtige Verhalten auf.

Richtig verhalten hat sich am Dienstag aber nur ein einziger Fahrgast. Alle jene, die weggeschaut haben, statt zu helfen, tragen schließlich Mitschuld an dem Vorfall. Denn sie lassen die Grapscher gewähren, statt ihnen Grenzen aufzuzeigen und klarzumachen: Das Anfassen von Frauen, ohne deren Einverständnis, ist und bleibt verboten.

 
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