Kommentar

Angebot und Nachfrage

Jürgen Berger zur TV-Kritik von Boris Becker

Der Aufschwung im deutschen Tennis ist durch die Erfolge der Aushängeschilder Angelique Kerber und Alexander Zverev unverkennbar – und trotzdem schaut der Tennis-Fan bei den Saison-Höhepunkten buchstäblich weiter in die Röhre. In diesem Punkt trifft Wimbledon-Legende Boris Becker mit seiner Kritik den Nagel auf den Kopf. Den öffentlich-rechtlichen Sendern die Alleinschuld für das bisherige Ausbleiben eines neuen Tennis-Booms zu geben, greift allerdings zu kurz.

Zweifellos ist die Übermacht des Fußballs bedenklich – und auch die Fixierung im Winter auf eine Sportart wie Biathlon, die kaum ein Zuschauer selbst betreibt, kritikfähig. Allerdings befand sich das deutsche Tennis zu den Glanzzeiten Beckers in einer ähnlichen komfortablen Situation. Stundenlang flimmerte der weiße Sport bis Ende der 1990er Jahre über die Bildschirme, selbst kleinste Turniere wurden übertragen – bis das Publikum irgendwann übersättigt war und charismatische Gewinnertypen ihre Karrieren beendet hatten.

Im Fußball gibt es diese Entwicklung (noch) nicht. Dass selbst ein Regionalliga-Spiel eine bessere TV-Quote hat als ein Bundesliga-Spiel im Basketball, ist Teil der Realität. Allerdings verfolgt der Quotenkönig mit der Aufstückelung der Spieltage bei DAZN, Eurosport oder Sky eine riskante Strategie, die für andere Sportarten zur Chance werden könnte.

Im Endeffekt wird aber immer der Zuschauer mit seinem Konsumverhalten das letzte Wort haben.