Kommentar

Angenehm anders

Archivartikel

Marc Stevermüer zu Julian Nagelsmanns Absage an Real

Wenn Julian Nagelsmann öffentlich auftritt, geht es meistens wohltuend unverkrampft zu. Vor allem auch in Pressekonferenzen, die bei vielen seiner Kollegen vor allem eines sind: langweilig. Der Trainer von 1899 Hoffenheim ist da angenehm anders. Er kann ein Spiel leidenschaftlich analysieren, vergisst bei aller Ernsthaftigkeit aber nur selten seinen Humor. Und vor allem redet er nicht nur viel, sondern hat auch immer etwas zu sagen. Zur Bundestagswahl und zur Terrorgefahr äußerte er sich schon, nun folgte seine Gesellschaftskritik. Kurzum: Von ihm bekommt man stets etwas mehr als Phrasen oder das Standardprogramm.

Gewiss: Der 31-Jährige ist ein Medienprofi. Er versteht es, die große Bühne für sich zu nutzen. Aber Nagelsmann spielt keine Rolle, sondern ist einfach Nagelsmann. Er gibt gerne ein wenig mehr von sich preis, was in der milliardenschweren Unterhaltungsbranche Profi-Fußball eher selten ist. Denn nur allzu gern würden die Medienabteilungen der Clubs die gesamte Kommunikation steuern, kontrollieren, eingrenzen.

Der Hoffenheimer Trainer ist deshalb in dieser entrückten Parallelwelt zweifelsohne eine der wenigen Ausnahmen – und noch dazu ein Vorbild. Klug und clever, mit einer langfristigen Strategie plant er seine Laufbahn. An ihm könnte sich manch ein verwöhnter Jungprofi, der nur das schnelle Geld und weniger eine vernünftige Lebens- und Karriereplanung im Sinn hat, ein Beispiel nehmen.

 
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