Kommentar

Angenehm anders

Archivartikel

Marc Stevermüer zum Bundesligisten SC Freiburg

Eine Pressekonferenz mit Christian Strich kann schon einmal etwas von einer Ansprache an die Nation haben. Zivilcourage, Fremdenfeindlichkeit – zu diesen und vielen anderen politischen Themen hat sich der Trainer des Fußball-Bundesligisten SC Freiburg schon geäußert. Und zwar nicht, weil er sich inszenieren oder positionieren wollte. Sondern weil der 55-Jährige danach gefragt wurde. Im von Oberflächlichkeit geprägten Profi-Fußball macht ihn das zu einem besonderen Menschen, weil er schlichtweg angenehm anders daherkommt.

Herausragend ist vor allem aber auch das, was Streich bei den Breisgauern als Trainer leistet. Gerade erst hat er mit Luca Waldschmidt und Robin Koch zwei Leistungsträger verloren. Wieder einmal. Doch wie schon so häufig in den Vorjahren veräußerte der SC die beiden Spieler mit einem hohen Gewinn. Talente preiswert erwerben, sie besser machen und teuer verkaufen – so lautet seit jeher das bewundernswerte Geschäftsprinzip, das dem Club gerade jetzt in der Corona-Krise hilft. Die Freiburger, wohlgemerkt immer noch als eingetragener Verein in der Bundesliga aktiv, vermeldeten bei der Mitgliederversammlung im vergangenen Jahr ein Eigenkapital von mehr als 80 Millionen Euro. Staatliche Hilfe hat der SC, anders als etwa Schalke 04 und der VfB Stuttgart, bislang nicht beantragt.

„Gäbe es Aktien, würde ich mir derzeit unbedingt den Wachstumswert SC Freiburg zulegen“, sagte zuletzt der ehemalige Fußballfunktionär Andreas Rettig. Ein besseres Lob kann es eigentlich gar nicht geben.

Zum Thema