Kommentar

Angstgegner

Alexander Jungert über die schleppende Digitalisierung in Deutschland

 

Deutschland ist digital. Diesen Eindruck soll die weltgrößte Computermesse Cebit, die gerade begonnen hat, jedes Jahr aufs Neue verbreiten. Doch er ist falsch.

Bis heute sind Breitbandanschlüsse – also schnelle Internetverbindungen – in manchen Regionen Deutschlands so weit weg wie die Erde vom Mars. Zudem sind viele Unternehmen dabei, den digitalen Umbruch zu verpassen. Entweder weil das „Bewahrertum“ dringend notwendige Veränderungen verhindert. Oder weil schlicht und einfach Fachkräfte fehlen, um Abläufe in der Produktion zu vernetzen.

Für viele Bürger hierzulande ist die Digitalisierung der Angstgegner schlechthin. Es gibt unzählige Studien, denen zufolge Computer Millionen Jobs komplett überflüssig machen werden. Schließlich wollen Maschinen nie in Urlaub fahren. Sie arbeiten oft günstiger, schneller und effizienter als Menschen.

Dabei ist die Angst vor dem technischen Fortschritt so alt wie der Fortschritt selbst. Selbstfahrende Lastwagen sind schon unterwegs. Bald werden deren Fahrer unnötig sein wie einst die Pferdekutscher. Aber soll es darum gehen, bei der Digitalisierung alte Berufsbilder nur um ihrer selbst willen zu erhalten? Nein.

Wenn tatsächlich Jobs wegfallen, entstehen an anderer Stelle neue. Der Einsatz innovativer Technik kann Unternehmen einen Wettbewerbsvorteil verschaffen, so dass sie wachsen und entsprechend weitere Mitarbeiter einstellen. Es könnten völlig neue Geschäftsmodelle mit neuen Berufen entstehen. Flexible Arbeitszeiten und Heimarbeit sind vermutlich wichtiger denn je. Wie auch immer es kommt: Gearbeitet wird auch in der Zukunft noch. Nur eben anders.