Kommentar

Anpfiff am Abend

Archivartikel

Alexander Müller zum starken Freiburger Saisonstart

Die Fußball-Idylle im Breisgau schien kurzzeitig in Gefahr. Der baden-württembergische Verwaltungsgerichtshof hatte in der vergangenen Woche entschieden, dass das neue Stadion des SC Freiburg aufgrund von Lärmschutzvorschriften nur eingeschränkt genutzt werden dürfe – unter anderem seien Abendspiele verboten. Auf das Entsetzen beim Sportclub folgte die schnelle Entwarnung: Das Urteil der Mannheimer Richter basierte offenbar auf veralteten Grenzwerten. Der Beschluss dürfte korrigiert, das Stadion damit wie jede andere Bundesliga-Arena bespielt werden.

Von der Aufregung unbeeindruckt zeigte sich am Samstag danach die Freiburger Mannschaft. Der 2:1-Sieg gegen das Top-Team RB Leipzig untermauerte, dass der phänomenale Saisonstart der Südbadener keineswegs nur einer günstigen Spielplangestaltung geschuldet war. Die Freiburger haben das Potenzial, sich zur großen Überraschung in dieser Saison zu entwickeln.

Wer ihn auf die mögliche Qualifikation für den Europapokal anspricht, bekommt von Trainer Christian Streich garantiert eine ironische Bemerkung zurück. Der 59-Jährige ist mehr als nur der Vater des Erfolgs: Streich, seit fast acht Jahren Trainer des SCF, ist nicht nur ein außergewöhnlich guter Fußballlehrer, sondern das Gesicht des Clubs. Authentisch, kompetent, wenn es sein muss auch einmal kantig. In fast jeder Saison verschiebt er die Grenzen dessen, was mit dem Freiburger Etat sportlich eigentlich möglich sein dürfte. Und weil ihm die reichere Konkurrenz in diesem Sommer ausnahmsweise einmal nicht die besten Spieler weggekauft hat, bewegen sich die Breisgauer momentan in Tabellenspähren, in denen kommende Saison auch internationale Gäste das neue Stadion eröffnen könnten. Anpfiff wäre auf jeden Fall am Abend.