Kommentar

Anreiz zum Umsteigen

Wolfgang Mulke zur Entwicklung der Spritpreise

 

Die Preise für Kraftstoffe ziehen wieder kräftig an. Dieser Trend könnte angesichts der weltweiten Spannungen noch eine Weile anhalten und sich sogar weiter beschleunigen, sollten Spekulanten in großem Stile auf teureres Erdöl setzen.

Das war vor einigen Jahren schon einmal zu beobachten. Der Ölpreis schoss damals schnell über die Marke von 100 Euro, und der Benzinpreis bewegte sich in Richtung zwei Euro pro Liter. Die aktuelle Konstellation, in der große Förderländer wie der Iran oder Venezuela als Anbieter ausfallen könnten, macht wenig Hoffnung auf wieder rückläufige Preise.

Momentan können die Autofahrer steigende Kraftstoffkosten gut verkraften. Dazu tragen auch die starken Lohnerhöhungen in vielen Branchen bei. Das Murren hält sich in Grenzen. In mancher Hinsicht wären hohe Benzinpreise sogar wünschenswert.

Sie verringern schließlich den Anreiz, schwere Fahrzeuge mit hohem Spritverbrauch zu kaufen. Zudem wird so der Kostennach-teil geringer, den Elektroautos derzeit gegenüber Wagen mit Verbrennungsmotoren haben. Das begünstigt den Umstieg auf Autos mit sauberen Motoren. Die Mechanismen des Ölmarktes könnten am Ende ein schnelleres Umdenken in der Mobilität erzeugen als Kaufprämien oder kostenlose Parkplätze. Ob es so kommt, ist allerdings lange noch nicht ausgemacht. Klar ist nur, dass scheinbar unerfreuliche Entwicklungen durchaus auch positive Seiten haben können.