Kommentar

Anschluss verschlafen

Detlef Drewes zu den Plänen für mehr Batterietechnologie

 

Der Strom für die Autos von morgen kommt eben nicht aus der Steckdose, sondern aus der Batterie. Dass Europa dabei den Anschluss verschlafen hat und heute auf die asiatischen Konzerne angewiesen ist, steht fest. Wenn die EU-Kommission daraus den Schluss zieht, nun alles tun zu müssen, um eine europäische Batterie-Offensive zu starten, liegt sie richtig. Die Allianz der Hersteller, die dabei höchst zurückhaltend bleibt, aber auch. Bei dieser Aktion machen alle alles richtig, ohne etwas zu bewirken. Die Gründe dafür liegen in der Struktur des Produkts: Gerade mal 300 000 Elektroautos sind derzeit zugelassen – zu wenig, um die gewaltigen Investitionen, die im Hause Bosch mit runden 20 Milliarden Euro beziffert werden, wieder hereinzuholen. Und dabei ist die Frage, ob es Sinn macht, in die heutigen Batterien zu investieren oder doch lieber die nächste Generation der Festkörperzelle rechtzeitig anzugehen, noch nicht beantwortet.

In einem Punkt hat Brüssel allerdings Recht: Europa darf den Markt nicht dauerhaft den Batterie-Königen auf dem Weltmarkt überlassen. Denn sonst baut Europa nur eines aus: seine Abhängigkeit bei einer wichtigen Technologie der Zukunft.

Die EU-Kommission kann die Rolle des Motors spielen, obwohl die Unternehmen wissen, dass sie etwas tun müssen. Ein paar hundert Millionen Euro, die die EU-Verwaltung aus den Forschungsmitteln und dem Strukturfonds zusammenkratzen kann, sind sicherlich willkommen. Aber angesichts der gewaltigen Investitionssummen, die die Forschung, der Bau und der Betrieb entsprechender Fertigungsanlagen verschlingen dürften, nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

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