Kommentar

Arbeit hat Grenzen

Alexander Jungert zur Zeiterfassung im Job

Der Europäische Gerichtshof hat eine klare Ansage gemacht. Egal, ob im Büro, im Außendienst oder Zuhause: Unternehmen in der EU sind verpflichtet, die Arbeitszeit ihrer Beschäftigten komplett zu erfassen. Gut so. Denn Arbeit hat Grenzen. Und jeder das Recht, dass die Höchstarbeitszeit sowie tägliche und wöchentliche Ruhephasen eingehalten werden.

Das ist notwendiger denn je. Gerade in modernen Dienstleistungsberufen verschwimmen die Grenzen zwischen Job und Privatleben zunehmend. Es wird oft erwartet, dass Beschäftigte schon frühmorgens oder noch spätabends erreichbar sind. Dadurch entstehen massenhaft Überstunden. Es ist nicht nur Lohn- und Zeitdiebstahl, sondern gefährdet auch die Gesundheit jedes Einzelnen. Wer nie abschalten kann, ist irgendwann auch nicht mehr leistungsfähig.

Mit gesteigerter Überwachung hat das alles nichts zu tun. Nur wenn die Arbeitszeit komplett erfasst wird, können Beschäftigte Job und Privatleben nach ihren individuellen Bedürfnissen ausrichten.

Alle Mitgliedstaaten der EU werden das Urteil aus Luxemburg umsetzen müssen. Das heißt: Auch die deutsche Bundesregierung muss sich jetzt sputen. Je nach Branche oder Größe eines Unternehmens werden die Vorgaben unterschiedlich ausfallen. Hauptsache aber, es gibt sie, und sie sind verbindlich.