Kommentar

Arzt als Verkäufer

Archivartikel

Stefan Vetter über medizinische Extras, die oft unnötig und teuer sind: Patienten müssen Angebote kritisch hinterfragen

 

Die meisten Menschen sind preisbewusst. Bei fast allem, was sie kaufen, überlegen sie, ob sie es brauchen, und versuchen zu sparen. Sind sie aber als Patienten beim Arzt und geht es um individuelle Gesundheitsleistungen, ist das Preisbewusstsein häufig wie ausgeschaltet. Der Arzt unterbreitet dem Patienten ein Angebot auf dessen eigene Rechnung, und der akzeptiert es fast immer ohne viel Federlesen.

Warum eigentlich? Weil der Arzt Vertrauen genießt. Wenn er auf Extraleistungen hinweist und sie ausdrücklich empfiehlt, dann wird das schon in Ordnung gehen, denkt sich der Patient. Nur denkt er dabei nicht selten falsch. Denn bei den meisten der angebotenen Extras steht offenkundig nicht der medizinische Nutzen im Vordergrund, sondern die Gewinnmaximierung mancher Praxen.

Älteren Untersuchungen zufolge sollen sich die Gesamteinnahmen durch sogenannte Igel-Behandlungen im Milliardenbereich bewegen. Was kann der Patient tun? Er sollte sich nicht scheuen, von seinem Arzt eine ausführliche Erläuterung über die Wirksamkeit der Extras zu verlangen – und im Zweifel unabhängigen Sachverstand bemühen. Auch dafür bietet sich das Internet an. Das spart am Ende womöglich nicht nur Geld, sondern auch unnötige Untersuchungen, die nicht selten mit den Selbstzahler-Leistungen verbunden sind.