Kommentar

Attraktiv, aber ohne Pop

Stefan M. Dettlinger beurteilt die dritte Saison von Intendant Puhlmann

Wieder eine Überraschung: Albrecht Puhlmanns dritter Opernspielplan ist wieder ganz anders als die beiden davor. Im ersten Jahr experimentierte der Intendant etwas viel, im zweiten korrigierte er dies mit soliden Werken, und im dritten, so könnte man meinen, sucht er den Weg dazwischen. Mit Wagners „Meistersingern“, Verdis „Troubadour“ und Debussys „Pelléas et Mélisande“ stehen drei originäre Opernwerke an – und mit Nigel Lowery und Barrie Kosky zwei spannende Regisseure. Eine Operette komplettiert den Werk-Reigen. Endlich wird am Goetheplatz mit „Orpheus in der Unterwelt“ mal wieder Offenbach gespielt.

Auch positiv: Der Monteverdi-Zyklus geht weiter. „Odysseus“ und „Poppea“ waren bereits fulminante Erfolge. Doch Puhlmann spart sich „Orfeo“ für später auf und lässt – endlich – seinen Weggefährten Calixto Bieito auf die Opernbühne: Der Katalane wird, durchaus brisant, in der Vorweihnachtszeit Monteverdis „Marienvesper“ inszenieren. Das ist mutig.

Mit „Paare“ und „House of Usher“ sind auch wieder Versuche neuer dramatischer Formate dabei. Das ist wichtig, muss nicht, kann aber gut gehen. Zusammen mit der erfreulichen Kooperation mit dem Tanz in „Sanssouci“ und der Ausgeglichenheit bei den 16 Wiederaufnahmen steht uns eine attraktive Opernsaison bevor, der im Vergleich zur aktuellen nur eines fehlt: der Griff mit Pop nach der Jugend. Wäre da etwa mehr Linie und Kontinuität gefragt?

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