Kommentar

Auch die Politik muss liefern

Archivartikel

Stefan Vetter über die Sorgen der Industrie

Wenigstens die Wirtschaft läuft. Das mag vielen ein Trost sein angesichts des politischen Trauerspiels, das die große Koalition in Berlin seit Monaten aufführt. Nur ist eben auch der Aufschwung kein ewiges Naturgesetz. Auf dem Tag der deutschen Industrie wurden Sorgen artikuliert, die man nicht einfach vom Tisch wischen kann. Tatsächlich hat sich das Wachstum in Deutschland zuletzt deutlich abgeschwächt. Die Industrie verzeichnet seit Jahresbeginn beinah durchweg einen Auftragsrückgang. Das ist kein Grund zur Panik. Aber die Verunsicherung in vielen Firmenzentralen wird eher größer als kleiner. Das hat auch mit dem Handelskrieg zu tun, den US-Präsident Donald Trump praktisch der ganzen industrialisierten Welt erklärt hat.

Gemessen an den bisherigen Regierungsplänen hat die Wirtschaft wenig zu erwarten. Das scheint auch Angela Merkel zu dämmern. Den Industriebossen versprach die Kanzlerin jetzt, über steuerliche Entlastungen für Unternehmen nachzudenken. Wirtschaftsminister Peter Altmaier stellte sogar einen Wachstumspakt in Aussicht. Ob die große Koalition allerdings die Kraft dazu hat, solche wohlklingenden Worte in konkrete Taten zu übersetzen, ist eher zweifelhaft. Auf der anderen Seite muss aber auch die Wirtschaft ihre Hausaufgaben machen. Einzig der Regierung Stillstand zu attestieren, wird den großen Herausforderungen in Deutschland jedenfalls nicht gerecht.

 
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