Kommentar

Auf dem Boden der Realität

Archivartikel

Alexander Müller zum Gehaltsverzicht im Profifußball

Fritz Keller wählte die passenden Worte. „Was uns gestern groß und wichtig erschien, erscheint uns heute nichtig und klein“, zitierte der DFB-Präsident auf einer Video-Pressekonferenz am Mittwoch den deutschen Liedermacher Reinhard Mey. In der Corona-Krise gibt der deutsche Fußball nach einem holprigen Start mittlerweile ein Bild ab, das Hoffnung macht. Die Botschaft ist offenbar angekommen: Der Fußball muss angesichts der schweren Krise, die alle Bereiche unserer Gesellschaft erfasst hat, in den Hintergrund treten.

Keller stutzt die Bedeutung der kickenden Glitzerbranche auf das Normalmaß zurecht, Bundestrainer Joachim Löw schlägt sogar sozialkritische Töne an. Und in Mönchengladbach dämmert den hochbezahlten Profis, dass es an der Zeit ist, etwas zu geben. Wenn Selbstständige, kleine Betriebe und viele normale Angestellte im Land um ihre wirtschaftliche Existenzgrundlage bangen, kann der Profi-Fußball nicht einfach so weitermachen, als sei nichts passiert.

Das Paralleluniversum muss endlich auf dem Boden der Realität ankommen. Sicher könnte man entgegnen, dass es Löw oder den Gladbacher Stars nicht besonders wehtut, wenn sie freiwillig auf einen Teil ihres Millionengehalts verzichten. Und in Zeiten, in denen mancher Berufsfußballer mit Kurzarbeitergeld in der 3. und 4. Liga tatsächlich jeden Euro umdrehen muss, sollten auch die Großen der Branche ihren Beitrag leisten.

Aber darum geht es nur am Rande. Viel wichtiger ist, dass der Fußball ein überfälliges Signal aussendet: Wir gehören zu den Privilegierten dieser Gesellschaft und wir versuchen, unseren kleinen Teil beizusteuern, um die Krise erträglicher zu gestalten. Der Bundestrainer, die Gladbacher und die Nationalmannschaft mit ihrer 2,5-Millionen-Euro-Spende haben einen Anfang gemacht.

Es wäre wünschenswert, wenn viele weitere Spieler und Trainer ihrem Beispiel folgen würden.