Kommentar

Auf dem richtigen Weg

Thorsten Langscheid über die Verkehrsdebatte in der Stadt

Die Diskussion um den Innenstadtverkehr zeigt, wie lange es dauert, bis aus neuen politischen Vorschlägen konkretes Handeln vor Ort wird. Und wie stark Widerstände sein können, obwohl es in der verkehrspolitischen Debatte längst nicht mehr um Grundsätzliches oder um Ideologien geht. Und im Kern auch nie ging. Denn wer aus der Frage, ob und wie man die Verkehrsbelastung in den Stadtzentren und Wohnquartieren verringert, eine ideologische Auseinandersetzung machen will, blendet die Realität aus.

Es geht nicht darum, das Auto zu verteufeln – im Gegenteil: Es geht um weniger Lärm, saubere Luft, weniger Stau, geringere Unfallgefahr, bessere Aufenthaltsqualität im Stadtzentrum. Man könnte es überspitzt auch so ausdrücken: Autofahrer sollten froh um jeden Verkehrsteilnehmer sein, der Rad fährt, auf Bus und Bahn umsteigt oder zu Fuß geht. Denn er sorgt mit dafür, dass ein Auto weniger die Straßen verstopft und andere noch fahren können – wenn auch künftig mit gewissen Einschränkungen.

Kluge Lösungen gesucht

Dass nun sorgfältig überlegt werden muss, wie man Durchgangsrouten klug unterbricht, damit die Innenstadt weiter erreichbar bleibt, dürfte Konsens im Gemeinderat sein. Der durch das Ludwigshafener Hochstraßendebakel verursachte nachmittägliche Dauerstau in der westlichen Innenstadt lässt es ahnen: Hätte man früher Umleitungen und Durchfahrtsunterbrechungen realisiert, statt sich jahrzehntelang nur darüber zu streiten, gäbe es das Problem jetzt in der Form nicht. Denn zum Zurückdrängen des Autoverkehrs gehört zwingend der massive Ausbau der umweltfreundlichen Alternativen Bus, Bahn, Rad- und Fußverkehr.

Dass die Grünen das Thema jetzt mit Nachdruck, aber zugleich mit dem Willen, breite Mehrheiten zu finden, anpacken, lässt hoffen, dass auch gute Lösungen jenseits von nervenden Verboten gefunden werden. Die Erkenntnis, weniger Auto in der City könnte der richtige Weg sein, ist inzwischen auch bei SPD und CDU weit verbreitet. Dass die Grünen, wenn man so will, das Urheberrecht an dem Thema haben, für das jetzt auch die CDU unter dem Titel „Die neue Innenstadt“ wirbt, darauf weist eine Kapitelüberschrift im Papier von 1992 hin. Die heißt doch tatsächlich „Rahmenbedingungen für eine neue Innenstadt“. Ein Schelm, wer Arges dabei denkt.

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