Kommentar

Auf die Finger klopfen

Peter W. Ragge zum Brand am Neckarufer Nord

Sarkasmus lag in der Stimme vieler Einsatzkräfte, die sich gestern an der Neckaruferbebauung Nord trafen. „Von Neckarufer 2.0“ war die Rede. Schließlich liegt der letzte Brand im Müllschacht eines Hochhauses erst wenige Monate zurück –und es ist seither zumindest sichtbar nichts passiert, um das zu verhindern.

Feuerwehr und Rettungsdienste haben gelernt. Nicht erst, wie im Juli, nach Stunden, sondern sofort wurde ein Großalarm ausgelöst und sehr schnell alles aufgeboten, was zur Betreuung der Bewohner möglich war.

Dabei zeigte sich erneut, dass ehrenamtliche Helfer das Rückgrat des Bevölkerungsschutzes darstellen und ohne ihre engagierte Mitarbeit nichts geht. Auch wenn viele der Rettungskräfte sicher andere Pläne für den Sonntag hatten, waren sie mit Empathie, Erfahrung und Können über Stunden hinweg zur Stelle. Das verdient große Anerkennung.

Hochhausbrände sind gefährlich, können sich höchst dramatisch entwickeln. Doch wie schon im Juli haben die Bewohner, hat Mannheim einfach nur Glück gehabt, dass nichts Schlimmeres passiert ist. Aber man darf das Glück nicht überstrapazieren. Die Müllschlucker müssen, auch wenn das für die Bewohner Unbequemlichkeit bedeutet, außer Betrieb genommen werden. In anderen Hochhäusern in Mannheim ist das längst passiert. Sie sind nicht nur eine Gefahrenquelle, sondern mangels Mülltrennung zudem ökologischer Unsinn. Auch sonst muss die Stadt den Eigentümern der Türme, einer Aktiengesellschaft aus Luxemburg, deutlich mehr auf die Finger klopfen. In den Türmen und drum herum sieht es völlig heruntergekommen aus.

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