Kommentar

Auf Tradition besinnen

Archivartikel

 

Ausgerechnet jetzt, wo im Stadtteil Aufbruchstimmung herrscht, die Stadt endlich beginnt, den öffentlichen Raum zu attraktivieren, schwächelt der Bürgerverein Neckarstadt. Erneut muss ein Stadteilfest abgesagt werden. Zu allem Übel droht auch noch das große Ganze auf der Strecke zu bleiben. Der Nachwuchs fehlt, die Mitgliedschaft ist überaltert – es lässt sich kaum mehr etwas bewegen. Politisch schon gleich gar nicht. Vorbei scheint die Zeit, wo Bürgervereine vor Ort ordentlich mitmischten. Zeiten, als beispielsweise eine Franziska Cussnick als Frontfrau die Stadtteilentwicklung mutig vorantrieb. Damals standen Themen wie das Quartiermanagement oder die Gestaltung des Alten Meßplatzes auf der Agenda. Der Bürgerverein hatte dabei politisch ein gewichtiges Wörtchen mitzureden.

Daran anzuknüpfen – sich einmischen und politisch mitgestalten – das würde man den jetzigen Machern wünschen. Kommt stattdessen das Aus? Hoffentlich nicht. Ein Ende des Traditionsvereins wäre gerade jetzt ein herber Verlust, wo die gesellschaftspolitischen Herausforderungen immens sind: Ob beim Wohnen, der Integration, dem Klimaschutz – überall gilt es, Betroffene einzubeziehen. Ein Bürgerverein kann da eine Plattform sein, auf der sich ein Quartier ideenreich mitgestalten lässt. Und ein Sprachrohr, das im Konzert der vielen gesellschaftlichen Stimmen noch gehört wird.

Was also ist nötig, damit der Verein eine Zukunft hat? Möglichkeiten schaffen, sich konstruktiv einzumischen und mitzugestalten, dazu interessante Veranstaltungen zu drängenden Themen organisieren, könnten ein Weg sein, um auch junge Menschen begeistern. Die Tradition aktiven Bürgerengagements in dieser Form sollte auch im 21. Jahrhundert Platz finden – gerade in Stadtteilen wie der Neckarstadt, die ansonsten kaum eine Lobby haben.

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