Kommentar

Aus dem Abseits

Archivartikel

Anke Philipp über das Jungbusch-Projekt

Türken gegen Kurden, Türken gegen Griechen oder Roma, Serben gegen Kroaten, Araber gegen Juden: Diskriminierung unter Minderheiten und die Wut darüber, benachteiligt zu sein, wird nicht selten auf dem Fußballplatz ausgetragen – ebenso Konflikte, die in den Herkunftsländern schwelen. Dazu kommen mitunter tradierte Vorstellungen, die nicht mit unserem Wertesystem vereinbar sind und ein Miteinander erschweren: Einstellungen zur Todesstrafe beispielsweise oder zur Familienehre.

Rassismus, Aggressionen oder Beleidigungen sind gerade in den unteren Ligen ein Problem. Da genügt es nicht, Verwarnungen zu erteilen, da muss mehr geschehen. Das Beispiel DJK Jungbusch zeigt, was Vereine tun können, um Auswüchse zu verhindern – im Dialog Werte gemeinsam erarbeiten, Vertrauen aufbauen, Demokratie lehren. Das Beispiel zeigt zudem, wie schwer das ist mit der Integration, wie zeitintensiv, wie kostspielig. Nur den Ball zu bewegen, reicht halt oft nicht aus, damit sich in ihrem Selbstbild angeknackste Jugendliche aus dem Abseits kicken können. Zum guten Spiel gehören soziale Kompetenzen. Der Verband hat dies zum Glück begriffen, unterstützt das Projekt, hat sogar einen Fachmann aus dem Jungbusch in die Kommission Fair Play eingeladen. Eine positive Entwicklung und Vorbild für andere. Die Vereine sind jedenfalls gefordert, Probleme nicht unter den Teppich zu kehren, sondern mutig anzugehen. Ganz getreu dem Jungbusch-Motto: Fürs Spielfeld lernen heißt, fürs Leben lernen.