Kommentar

Aus der Zeit gefallen

Archivartikel

Jan Kotulla zu den Reformvorschlägen von Bernie Ecclestone

Grundsätzlich ist es nie verkehrt, bei aktuellen Problemen in die Vergangenheit zu blicken. Das gilt auch für die Formel 1. Doch die Vorschläge von Bernie Ecclestone offenbaren, wie richtig es war, dem 88-Jährigen die Verantwortung für die Königsklasse zu entziehen. Die Zeiten, in denen ein „Alleinherrscher“ schalten und walten konnte – sie sind vorbei. Und man darf nicht vergessen, dass einige der Probleme, mit der die Formel 1 jetzt zu kämpfen hat, ihre Wurzeln in der Epoche haben, die der Brite geprägt hat.

So stöhnen die Streckenbetreiber seit Jahren über die ständig steigenden Gebühren, die sie erst an Ecclestone und nun an Liberty Media zahlen müssen. So hat sich der Hockenheimring bereits 2007 notgedrungen von einer jährlichen Ausrichtung des Großen Preises verabschiedet. Die zweite deutsche Traditionsstrecke, der Nürburgring, ist komplett aus dem Kalender gefallen. Das hat nicht nur mit Ecclestone, sondern auch mit den größenwahnsinnigen Ausbauplänen zu tun, die Landesvater Kurt Beck wider alle Vernunft durchgedrückt hatte.

Dass der frühere Gebrauchtwagenhändler sich zwei Jahre, nachdem er von Liberty Media geschasst wurde, jetzt mit Tipps zu Wort meldet, zeugt von gesundem Selbstvertrauen. Doch das Nachtanken wurde aus gutem Grund abgeschafft – es setzte vor allem die Boxen-Crew unnötigen Gefahren aus. Und eine Team-WM ins Leben zu rufen, um so die dringend notwendige Kostendeckelung zu umgehen, kommt dem Problem nicht bei. Wichtig wäre es, die Technik zu vereinfachen und damit die Fahrer wieder in den Mittelpunkt zu rücken. Sie sollen sich Duelle mit offenem Visier liefern und sich überholen können. Dominante Teams gab es immer wieder: Sebastian Vettel wurde vier Mal in Folge mit Red Bull Weltmeister, Michael Schumacher fuhr die Konkurrenz mit Ferrari in Grund und Boden. Aber es stimmt, so langsam scheint selbst Mercedes auf eine Wachablösung zu warten.

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