Kommentar

Aus der Zeit gefallen

Archivartikel

Jan Kotulla zum Gutachten für den DOSB über E-Sport

Es ist schon verrückt. Da verdienen schulpflichtige Knirpse horrende Preisgelder, nur weil sie mit ihren Daumen schneller über die Spielekonsole fliegen als andere.

Mit genau dieser Begründung, der fehlenden Körperlichkeit, kommt Gutachter Peter Fischer zu dem Ergebnis, dass E-Sport kein Sport ist. Da stellt sich schon die Frage, ob der Jurist je in seinem Leben einmal ernsthaft versucht hat, sich beispielsweise in „FIFA“ zu beweisen? Dabei geht es nicht darum, ein paar Minuten auf die Knöpfe zu drücken, sondern über mehrere Stunden hochkonzentriert zu sein, so wie es die Profis bei ihren bestens besuchten, beziehungsweise im Internet von Millionen Fans mitverfolgten Turnieren tun.

Die Begründung, dass sich E-Sportler zu wenig bewegen, scheint aus der Zeit gefallen. Mit diesem Argument müsste man auch andere Disziplinen hinterfragen. So sollte das Internationalen Olympischen Komitee beispielsweise überprüfen, ob das Kartenspiel Bridge offiziell als Sportart anerkannt bleiben kann. Und beim Schach bewegt sich die Körperlichkeit im Heben und Senken der Figuren sowie der Betätigung der Uhr.

Bitte nicht falsch verstehen, wer x Spielzüge im Voraus bedenken kann oder sein Blatt gekonnt auszuspielen weiß, dem gebührt höchster Respekt. Gleiches gilt aber auch für diejenigen, die auf Wettkampf-Niveau vor Bildschirmen sitzen.

Eine ganz andere Frage ist die, ob und wie man zwischen Sportartsimulationen und Ballerspielen wie Counter Strike unterscheiden kann. Für IOC-Boss Thomas Bach ist die Grenze klar, „Killerspiele“ widersprächen dem Olympischen Geist und seien inakzeptabel. Ein Standpunkt, den viele teilen.

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