Kommentar

Ausbeutung inbegriffen

Archivartikel

Frank Schumann zu den Problemen im Textilbündnis

Wenn es um die miserablen Arbeitsbedingungen in Textilfabriken in Pakistan, Bangladesch oder anderswo geht, scheinen die Rollen klar verteilt. Die Bekleidungshersteller quetschen noch den letzten Cent bei den Zulieferern heraus, um ihre Profite dank Niedrigstlöhnen sowie sozialer und ökologischer Rücksichtslosigkeit zu maximieren. Gleichzeitig schließen sich die Unternehmen dem Bündnis für nachhaltige Textilien an, in der Hoffnung, allzu schmerzliche Auflagen verhindern zu können. Da es in dem Gremium nur schleppend vorangeht, droht Entwicklungsminister Gerd Müller jetzt mit gesetzlichen Daumenschrauben.

Auch wenn die Klischees an der ein oder anderen Stelle zutreffen mögen: Die entscheidende Rolle für bessere Arbeitsbedingungen in den Textilfabriken der Dritten Welt spielt jeder einzelne Verbraucher. Wer ein T-Shirt für 3,99 Euro kauft, bekommt menschliche Ausbeutung sowie katastrophale Umweltbedingungen in den ohnehin schon ärmsten Ländern der Welt gratis dazu. Und hat angesichts seines Konsumverhaltens nicht den geringsten Grund, sich über kapitalistische Ausbeuter oder untätige Politiker zu empören.