Kommentar

Ausbildung unterschätzt

Archivartikel

Die Aussage von IHK-Präsident Manfred Schnabel kann man sich gar nicht oft genug durch den Kopf gehen lassen: „Die Unternehmen wollen ausbilden, es fehlt aber an Bewerbern.“ Diese Worte bergen eine Menge Sprengkraft. Für die Industrie, den Handel und das Handwerk einerseits. Die Folgen sind aber auch für die Gesellschaft als Ganzes relevant – das ist umso erschreckender, weil die Misere größtenteils hausgemacht ist.

Die Aufgabe muss es sein, Ausbildungsberufe wieder attraktiver zu machen. Natürlich sind zum einen Politik und Unternehmen selbst gefordert – sie müssen vor allem für eine adäquate Bezahlung sorgen. Doch zum anderem muss auch die Gesellschaft jenen Berufen wieder mehr Achtung verleihen. Nicht jeder Schüler muss Abitur machen. Nicht jeder Abiturient muss eine akademische Laufbahn einschlagen. Und nicht jeder Jugendliche, der kein Abitur oder keinen Hochschulabschluss macht, ist minder intelligent als andere.

Ganz im Gegenteil: Häufig sind es Ausbildungsberufe, wie der der Krankenschwester, des Altenpflegers oder des Kindergärtners, die die Gesellschaft tragen. Genauso wenig kann man im Zeitalter der Digitalisierung auf ausgebildete Systemadministratoren verzichten. Eine Lehre darf genauso wenig als zweitklassig angesehen werden wie ein Hochschulabschluss an sich erstklassig sein darf. Die Ausbildung muss schnellstmöglich wieder an gesellschaftlichem Ansehen gewinnen.

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