Kommentar

Ausbildung zu unattraktiv

Wolfgang Mulke über den großen Mangel an Handwerkern

Auf den dringend benötigten Handwerkerbesuch müssen Kunden oft wochenlang warten. Die Auslastung der Betriebe ist hoch und es fehlt an Nachwuchskräften. Wirtschaftlich geht es vielen Betrieben blendend. Über kurz oder lang werden die Kunden für deren Dienste wohl tiefer in die Tasche greifen müssen.

Der Zentralverband des Deutschen Handwerks rechnet zwar mit fallenden Preisen, weil durch die Wiedereinführung des Meisterzwangs in einigen Berufen mehr Wettbewerb entstehen soll. Doch realistisch ist ein anderes Szenario. Es werden zu wenige junge Leute ausgebildet. Das betrifft vor allem Berufe mit schlechtem Image, etwa dem des Klempners. Auch fällt es vielen aus Altersgründen ausscheidenden Meistern schwer, einen Nachfolger zu finden. Unter dem Strich führt dies zu einem abnehmenden Angebot und eher zu steigenden Preisen.

Hinter dieser Entwicklung stehen neben der demografischen Entwicklung – also einer sinkenden Zahl von Schulabgängern – Fehler von Betrieben und Politik. Ein sicherer Bürojob oder ein Studium ist für zu viele junge Leute attraktiver als etwa die Arbeit auf dem Bau. Das Studentenleben mit vielen Vergünstigungen lockt mehr als eine 40-Stunden-Woche mit einer geringen Vergütung. Allein mit einer Imagekampagne wird sich an diesem Nachteil des Handwerks nichts ändern. Es muss auch finanziell attraktiver werden, dort eine Ausbildung anzustreben. Die Vorschläge des Zentralverbands, Azubis ähnlich zu fördern wie Studenten, könnten positiv wirken. Am Ende haben davon alle etwas. Denn irgendwann braucht jeder mal einen Handwerker.