Kommentar

Automobiler Wahnsinn

Werner Kolhoff über die Zulassung von Elektro-Tretrollern

Das Problem bei der Entscheidung des Bundesrates zur Zulassung von E-Tretrollern ist, dass die neuen Geräte in den Städten ausgerechnet dem dort unter allen Gesichtspunkten besten Verkehrsträger den Platz streitig machen sollen, dem Fahrrad. Und das, obwohl es ohnehin an einer guten Infrastruktur für den Radverkehr mangelt. Das Auto, das einzeln schon mindestens zehn Quadratmeter Parkfläche beansprucht, bleibt wieder unangetastet. Das kann bei wachsenden Städten nicht so weitergehen.

Eine Umverteilung des Platzes ist inzwischen eine Frage der praktischen Vernunft geworden, jenseits aller ökologischen Begründungen. Die Nicht-Autofahrer machen in den Städten die Mehrheit der Verkehrsteilnehmer aus. Sie sollten es nicht länger hinnehmen, dass in der Regel eine einzige Person unter großer Umweltbelastung ein tonnenschweres Gefährt durch die Straßen steuert und dafür den meisten Raum beansprucht. Eine grundlegende Veränderung ist auch im Interesse von Einzelhandel, Hauseigentümern und Mietern. Auf viele Autofahrten innerhalb der Städte könnte verzichtet werden – natürlich geht das nicht von heute auf morgen. Aber wenn der Beschluss zu den E-Scootern etwas Gutes hat, dann vielleicht, dass er die Mehrheit der Stadtbewohner mobilisiert, sich den automobilen Wahnsinn nicht länger gefallen zu lassen.