Kommentar

Ball flach halten

Archivartikel

Madeleine Bierlein über die Eichbaum-Werbeaktion

Fußball verbindet. Das gilt in besonderem Maß zu Zeiten der Weltmeisterschaft. Wenn Fans in den 32 teilnehmenden Staaten gleichzeitig vor den Fernsehern sitzen und ihre Mannschaften anfeuern, dann ist das normalerweise ein Beitrag zur Völkerverständigung. Egal welche Religion, ob Mann oder Frau, Schwarz oder Weiß, Jung oder Alt, alle fiebern mit. Die katastrophalen Reaktionen auf eine Werbeaktion der Mannheimer Brauerei Eichbaum stellen dieses Gemeinschaftsgefühl in Frage.

Sicher, Eichbaum hat sich nicht gerade professionell verhalten. Schriftzeichen auf Kronkorken abzudrucken, ohne deren Bedeutung zu prüfen, ist schlicht fahrlässig. Aber dennoch: Das Mannheimer Unternehmen hatte weder die Absicht, jemanden herabzuwürdigen, noch den Islam zu verunglimpfen.

Doch Vertretern verschiedenster Seiten kam die gedankenlose Kampagne aus Mannheim offensichtlich äußerst gelegen. So heizte unter anderem die in London ansässige muslimische Organisation Doam die Empörung im Internet an. Laut der Zeitung „The Guardian“ ist sie schon zuvor als Provokateur zwischen Sunniten und Schiiten aufgefallen.

Keinen Deut besser agierten sogenannte islamkritische Deutsche, die die Entschuldigung des Eichbaum-Marketing-Chefs zum Anlass für üble Beschimpfungen nahmen. So übel, dass sich die Brauerei von Polizei und Staatsschutz zum weiteren Vorgehen beraten lassen musste. Das Internet verleiht Scharfmachern aller Seiten große Macht. Ihre einfachen Botschaften lassen sich mit wenigen Klicks in die Welt bringen. Dem gilt es den gesunden Menschenverstand entgegenzusetzen. Statt hitzig zu diskutieren und zu betonen, was uns trennt, sollten wir den Ball flachhalten und uns häufiger auf das Gemeinsame besinnen. Denn das ist weit mehr als nur das Interesse am Fußball.

 
Zum Thema