Kommentar

Bedingt aussagekräftig

Archivartikel

Torsten Gertkemper über die Bertelsmann-Studie zum Thema Populismus in Deutschland

Der Befund ist zunächst alarmierend: Nur noch 59 Prozent der Befragten zeigten sich bei einer Umfrage im Auftrag der Bertelsmann Stiftung mit dem Funktionieren der Demokratie in Deutschland zufrieden. Ein Jahr zuvor waren es noch 68 Prozent gewesen. Gleichzeitig stellten die Forscher fest, dass die Wähler der Mitte immer mehr zu populistischen Positionen tendieren. Aussagen wie „Was man in der Politik Kompromiss nennt, ist in Wirklichkeit nichts Anderes als ein Verrat an den eigenen Ideen“ stimmte jeder achte in der Studie zu.

Solche Sätze stehen für den schwindenden Glauben daran, Probleme durch Reden lösen zu können. Sie zeigen ein Denken in Schwarz und Weiß. Da werden böse Erinnerungen wach. In der Weimarer Republik stritten politische Gegner erbittert miteinander. Der Wille zum Konsens fehlte genauso wie das Bekenntnis der großen Mehrheit zur Demokratie. Die Weimarer Republik ging 1933 unter.

Doch Panik ist fehl am Platz. Das zeigt auch ein genauer Blick in die Studie selbst. Zwar sagen die Forscher, dass „populistische“ Ansichten auf dem Vormarsch sind. Allerdings gaben zugleich 71 Prozent der Befragten an, die Alternative für Deutschland (AfD) „auf keinen Fall wählen zu wollen“.

Die AfD ist die prominenteste Vertreterin des Populismus in Deutschland. Und obwohl es laut Studie immer mehr populistisch denkende Menschen geben soll, weigert sich immer noch ein Großteil eben jener Wähler, eine solche Partei zu wählen. Das zeigt: Man darf Populismus nicht mit fehlendem Vertrauen in die Demokratie verwechseln. Allein deshalb sind die Zahlen der Studie – auch wenn sie nachdenklich stimmen – nur bedingt aussagekräftig für den Zustand unserer Demokratie.