Kommentar

Bedrohung fürs Binnenklima

Alexander Müller zur verbalen Attacke von Salihamidzic

Hasan Salihamidzic hat es nicht leicht. Als vermeintliche C-Lösung für den Sportdirektoren-Posten beim FC Bayern war der bosnische Ex-Profi von Beginn an nicht mit der nötigen Autorität ausgestattet. Seitdem scheiterte „Brazzo“ beim Versuch der eigenen Profilschärfung zwischen den beiden Münchner Alphatieren Uli Hoeneß und Karl–Heinz Rummenigge kolossal. In den sozialen Netzwerken kursieren schon „Brazzo“-Witze, wie sie früher über die Ostfriesen gemacht wurden. Das nagt.

Vor diesem psychologischen Hintergrund ist die verbale Attacke des 42-Jährigen zu sehen, die Salihamidzic am Samstagabend gegen den TV-Experten Dietmar Hamann geritten hat. Dabei hatte der frühere Nationalspieler nur das ausgesprochen, was alle sehen können: Robert Lewandowski, der im Sommer wieder einmal gerne zu Real Madrid gewechselt wäre, ist in München zu einer Diva geworden, der es am gebotenen Teamgeist mangelt. Solange der Pole trifft wie am Fließband, stellt das kein größeres Problem dar. Aber wenn nicht, werden Lewandowskis Allüren schnell zu einer Bedrohung für das Binnenklima.

Salihamidzic sah allerdings seine Chance gekommen, auch einmal ein bisschen so poltern zu dürfen wie früher Hoeneß – die menschgewordene „Abteilung Attacke“. Leider ging das ganz gewaltig nach hinten los. Die Hamann-Schelte wirkt unsouverän, dünnhäutig und peinlich. Dass Salihamidzic vom Sender Sky sogar berufliche Konsequenzen für Hamann forderte, offenbart außerdem zum zweiten Mal nach der furchtbaren Medienabreibungs-Pressekonferenz im Oktober ein höchst bedenkliches Verständnis von Meinungsfreiheit beim Rekordmeister.