Kommentar

Beide Wege anbieten

Archivartikel

Moderner und einfacher soll das neue Portal die Kommunikation zwischen Bürgern und Verwaltung machen. Jetzt ist bereits zum Start ein Angebot in die Knie gegangen: Wegen zu großen Ansturms ist die Buchung von Schwimmkursen über das Internet derzeit nicht möglich. Eine Panne, die Fragen aufwirft.

Technische Probleme wie dieses kommen immer wieder vor – die Stadtverwaltung ist hier letztlich von ihren Software-Anbietern abhängig. Bei deren Auswahl lohnt es sich offenbar, mehr als einmal genau hinzuschauen. Wenn Behörden dafür werben, ihre Leistungen online in Anspruch zu nehmen, die Systeme dann aber zusammenbrechen, ist das für alle Beteiligten ärgerlich. Vertrauen in das neue Bürgerportal entsteht so sicherlich nicht.

Im Rathaus scheint man das Problem sehr ernst zu nehmen. Angesichts der Panne erscheint es zudem sinnvoll, die Regel zu überdenken, dass sich Bürger nur noch online zu Schwimm- und Aquakursen anmelden sollen. Eine bessere Lösung wäre wohl, die Anmeldung künftig generell auf beiden Wegen anzubieten – also digital und auch „analog“ direkt in den Bädern. Das würde auch Senioren und anderen Menschen entgegenkommen, für die eine Buchung über das Internet noch eine Hürde darstellt.

Angesichts des großen Ansturms im Netz und langer Schlangen bei Anmeldungen in den Hallenbädern stellt sich aber auch noch eine ganz allgemeine Frage: Wäre es nicht sinnvoll, die Zahl von derzeit drei Mal jährlich 685 Plätzen in den Schwimmkursen zu erhöhen? Offenbar ist die Nachfrage deutlich größer als das Angebot. Das Rathaus verweist auf die Kurse von Vereinen und Privaten. Doch der Ansturm zeigt, dass die Bürger den Angeboten der Stadt hier besonders vertrauen. Dass Handlungsbedarf bei dem Thema besteht, dürfte ohnehin unstrittig sein: Eine repräsentative Umfrage im Auftrag der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft ergab 2017, dass 59 Prozent der Zehnjährigen in Deutschland nicht sicher schwimmen können.

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