Kommentar

Bekenntnis zur Gründerkultur

Rolf Obertreis fordert Anreize für Biotech-Investitionen

Die Zahl der Beschäftigten und der Umsatz sind nach oben gesprungen – von einem Sprung nach vorne ist in der deutschen Biotech-Szene von einigen Ausnahmen abgesehen aber wenig zu erkennen. Die Musik spielt in den USA, dort sitzen die für junge Firmen und ihre Ideen wichtigen Geldgeber. Weshalb auch deutsche Biotech-Firmen für einen Börsengang lieber über den großen Teich als nach Frankfurt fliegen. Doch schon vor diesem Schritt sind die Hürden für Biotech-Pioniere offensichtlich hoch.

Im vergangenen Jahr wurden deutlich weniger neue Unternehmen gegründet als noch ein Jahr zuvor. Weil es an Geld und risikofreudigen Investoren mangelt, weil ein System fehlt, mit dem Gründer an notwendiges Kapital kommen. Und weil Mut und Risikobereitschaft rar sind, sowohl bei den Biotech-Pionieren als auch bei Geldgebern.

Damit entgehen dem Standort Deutschland wichtige innovative Impulse, ganz abgesehen von hoch qualifizierten Jobs. Mehr noch: Wertvolles Know-how, der wichtigste Rohstoff, geht verloren. Dabei werden hierzulande Spitzenleistungen erbracht. Nicht umsonst schließen renommierte Firmen milliardenschwere Allianzen mit – allerdings wenigen – deutschen Biotechs.

Die Politik scheint das Potenzial nicht wirklich erkannt zu haben. Experten fordern aus Berlin ein Bekenntnis zur Gründerkultur, etwa befristete Steuererleichterungen für Biotech-Anleger. Die innovativen Gründer in Deutschland hätten es in jedem Fall verdient.