Kommentar

Berechtigte Diskussion

Archivartikel

Peter W. Ragge zu Dächern für Freilufttheater

Eine Freilichtbühne mit Dach? Ist das nicht ein Widerspruch? Als „Dramatischer Club”1913 auf dem Waldhof gegründet, spielte das sehr engagierte Amateurtheater anfangs ohnehin in festen Räumen. Erst nach dem Krieg wurde auf einem ehemaligen Schießstand am Waldrand mit Hilfe der US-Armee die Freilichtbühne angelegt. Und fast ebenso lange gibt es unter den Mitgliedern die Diskussion, ob nicht ein Dach hilfreich wäre. Schließlich macht ein verregneter oder auch ein viel zu heißer, gewittriger Sommer die ehrenamtliche Probenarbeit vieler Monate zunichte – vom hohen finanziellen Verlust abgesehen.

Ungewöhnlich wäre eine Überdachung auch keineswegs. Auf Deutschlands größter Freilichtbühne, in Ötigheim, sitzen die Besucher schon immer überdacht, ebenso beim Naturtheater Reutlingen. Die Freilichtbühne im Harburger Stadtpark bekommt gerade ein Dach. In Meppen finanzieren Stadt und Spender ein schönes Membrandach, das mit Stahlstützen und -seilen gesichert wird. Die Konstruktion ist offen, bietet weiter freien Blick in die Natur.

Dass das Ensemble von der Gartenstadt dieses Thema ins Gespräch bringt, ist also richtig – und durch den Klimawandel mehr denn je gerechtfertigt. Für die Seebühne im Luisenpark wurde eine komplette Überdachung schon 2009 ins Auge gefasst, ist die dortige, nur knapp nur ein Drittel der Plätze umfassende Konstruktion doch arg veraltet und baufällig. Doch obwohl die Seebühne zur Bundesgartenschau 2023 auch als Veranstaltungsstätte geplant ist, hat man dieses Thema nie weiterverfolgt – was unverständlich ist.

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