Kommentar

Bescheidene Strafen

Thomas Spang zur neunten UN-Resolution gegen Nordkorea und dem ungeschickten Krisenmanagement von US-Präsident Donald Trump

 

An Kraftmeierei lässt es die US-Regierung nicht mangeln. Gemessen an der "Feuer und Zorn"-Rhetorik Donald Trumps hat der UN-Sicherheitsrat bescheidene Strafmaßnahmen gegen Nordkorea verhängt. Dazu gehören eine moderate Deckelung der erlaubten Öleinfuhren aus China und Sanktionen gegen die Textilindustrie. Hätten die Amerikaner nicht klein beigegeben, wäre die Blamage größer geworden.

Die neunte UN-Resolution im Zusammenhang mit Nordkoreas Atom- und Raketentests wird Pjöngjang genauso wenig von seinem Kurs abbringen wie die erste im Jahr 2006. Das Regime hat aus der US-Invasion im Irak die Lehre gezogen, dass es sich mit Nuklearwaffen gegen die Supermacht immunisieren kann. Genau deshalb hat es keinen Anreiz, von seinem Kurs abzulassen. Das eine Problem der Reaktionen Trumps besteht in der fehlenden strategischen Klarheit seiner Regierung. Zumal er möglicherweise von falschen Voraussetzungen ausgeht. Der frühere CIA-Direktor Mike Morrell äußerte kürzlich, es sei sehr gut möglich, dass Nordkorea die USA längst mit Atomwaffen angreifen könnte.

Damit machte das erklärte Ziel Trumps, dieses um jeden Preis zu verhindern, schon jetzt keinen Sinn mehr. Zudem weiß der Präsident, dass ein militärischer Erstschlag keine Option gegen das bis an die Zähne bewaffnete Nordkorea ist. Tatsächlich gibt es zum jetzigen Zeitpunkt keinen anderen vertretbaren Kurs als eine Politik der Abschreckung und Eindämmung. Das hat mit einem paranoiden Massenmörder wie Stalin funktioniert, und verspricht auch heute effektiv zu sein. Eine solche Politik dürfte umso erfolgreicher sein, je enger die Alliierten zusammenrücken.

Hier liegt das andere Problem. Statt zu einen, spaltet Trump. Er stößt Südkorea vor den Kopf und versucht, China vorzuführen. Das Ergebnis dieser konfusen Korea-Politik ist eine Supermacht, die ihren Einfluss zunehmend verliert. Für einen Egozentriker wie Trump ist das nur schwer zu ertragen.

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