Kommentar

Besonderer Härtetest

Archivartikel

Jürgen Berger zur Situation der TSG Hoffenheim

Vor einem Jahr beeindruckte Julian Nagelsmann im Hoffenheimer Trainingslager mit einer forschen Meisteransage, sein Nachfolger Alfred Schreuder verzichtet dagegen bisher ganz darauf, ein konkretes Saisonziel auszugeben. Das liegt einerseits daran, dass der neue TSG-Trainer ein eher zurückhaltender Typ ist, zum anderen weiß der Niederländer drei Wochen vor dem Saisonstart schlichtweg noch immer nicht, wie sein finaler Kader aussehen wird.

Obwohl die Kassen der Kraichgauer nach den Verkäufen der Leistungsträger Nico Schulz, Kerem Demirbay und zuletzt Joelinton für 100 Millionen Euro prall gefüllt sind, haben sich die Kraichgauer auf dem überhitzten Transfermarkt bisher zurückgehalten – und wie in den Vorjahren der breiten Öffentlichkeit eher unbekannte Profis wie Ihlas Bebou oder Sargis Adamyan verpflichtet. Das gehört zwar zum Hoffenheimer Erfolgsmodell, birgt durch den enormen Qualitätsverlust aber auch ein erhöhtes Risiko, sportlich ins Straucheln zu geraten.

Personell gibt es einfach jede Menge Baustellen. Wechselt Nadiem Amiri zu Bayer Leverkusen? Können die zuletzt verliehenen Profis wie Steven Zuber oder Vincenzo Grifo unter Schreuder einen Neustart schaffen? Gelingt dem Hochbegabten Dennis Geiger nach seiner Langzeitverletzung die Rückkehr? Werden die Knie-Patienten Andrej Kramaric und Ishak Belfodil rechtzeitig fit? Planungssicherheit sieht anders aus. Zumal der Kader immer noch zu groß ist.

Alexander Rosen handelt bisher entschlossen und mit kühlem Kopf – das fabelhafte Angebot für Joelinton aus England war einfach unablehnbar. Der Manager, der sein Verhandlungsgeschick und Auge für Talente in den vergangenen Jahren immer wieder bewiesen hat, sieht Hoffenheim außerdem trotz der Abgänge gut aufgestellt. Diese Sichtweise kann man teilen. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass die TSG diesmal vor einem wirklich besonderen Härtetest steht.

Zum Thema