Kommentar

Kommentar Waltraud Kirsch-Mayer über sexuellen Missbrauch im Netz

Bewusst hinschauen!

Jener Wolf, der in tückischer Absicht Kreide frisst, um mit zarter Stimme die sieben Geißlein für sich einzunehmen, ist legendär. Leider tummeln sich Meister der Verstellung nicht nur im Märchen. Auch in digitalen Medien. Jetzt, da so manche Mädchen und Jungen aufgrund des Corona- Lockdowns (noch) mehr Zeit als sonst im Internet verbringen, wächst für sie das Risiko, an Pädokriminelle zu geraten. Und die verstehen sich nicht nur darauf, (gleich dem Wolf) mit falscher Stimme zu sprechen beziehungsweise heuchlerische Chat-Botschaften zu schreiben. Sie beherrschen obendrein die Kunst der Manipulation, die andere dazu bringt, etwas zu tun, das sie eigentlich gar nicht wollen.

Sexueller Missbrauch kann sich via Smartphone oder Computer höchst unterschiedlich anbahnen und mit Wucht entwickeln. Aber grundsätzlich gilt: Virtuelle Verführung, ob zu Nacktfotos oder Posieren vor der Webkamera, hat stets reale Auswirkungen – insbesondere für die Seele.

Weil einschmeichelnde Cyber-Täter meist subtil Vertrauen aufbauen, fällt es umgarnten Opfern schwer, sich ihrerseits jemand anderem anzuvertrauen. Und deshalb sollten Eltern nicht darauf vertrauen, dass sie schon irgendwie mitkriegen, wenn ihr Kind bei Interneterkundungen in die Bredouille gerät. Auf sexuellen Missbrauch spezialisierte Beratungsstellen empfehlen Eltern wie auch Kontaktpersonen außerhalb der Familie ganz bewusstes Hinschauen, um versteckte Hilferufe wahrzunehmen. Das sollte achtsam, aber nicht ängstlich erfolgen.

 
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