Kommentar

Bildung nach Moden

Archivartikel

Peter Reinhardt hält mehr Gelassenheit für erforderlich

Die meisten Eltern machen sich sehr viele Gedanken, wie sie das Beste für ihre Kinder tun. Besonders schwer fällt oft die Entscheidung zwischen einem zusätzlichen Jahr im Kindergarten oder dem Aufbruch in einen neuen Lebensabschnitt in der Grundschule. Da ist ein vertrauensvoller Austausch der Eltern mit kompetenten Erziehern und Lehrern besonders wichtig. Wichtiger jedenfalls als die Verschiebung eines Stichtags um drei Monate. Gerade einmal zwölf Jahre ist es her, dass die Politik die Regelgrenze für die Einschulung auf den 30. September verschoben hat. Nun geht es mit Hurra wieder zurück. Für den Meinungswandel der Politik hat eine Unterschriftensammlung im Internet gereicht, die auch noch mit fragwürdigen Argumenten zum Mitmachen animierte. Wenn von 6100 Rückstellungsanträgen nur 150 abgelehnt wurden, kann es sich ja wohl kaum um ein echtes Problem handeln. Aber die Online-Petition hat halt einen Zeitgeist getroffen.

Im politischen Überschwang ist dann im Landtag ein breites Bündnis von Grünen, CDU, SPD und FDP diesem Elternwillen gefolgt, ohne einen Gedanken an die Folgen zu verschwenden. Denn ohne Frage müssen die Kommunen mehr Plätze in den Kindergärten bereitstellen. Künftig kommen die zwischen Juli und September geborenen Kinder nur dann noch als Sechsjährige in die Schule, wenn die Eltern aktiv werden. Man kann nur hoffen, dass sie sich über den Entwicklungsstand ihres Kindes gut informieren. Der sollte entscheiden, nicht der neueste Schrei in der Boutique der Bildungsmoden.